Endlich haben wir heute unseren Reisebericht für Euch, und erzählen von unserem Abenteuer auf zweimal zwei Rädern.

In Teil 1 berichtet Christiane von unserer Reise, in Teil 2 erzählt Euch Sabine von unserer Ausrüstung und unserer veganen Camping-Küche. Viel Spaß!

Teil 1: Reisebericht – Unterwegs auf Weserradweg und Nordseeradweg

„Great things never come from comfort-zones“

Es gibt Momente, in denen muss man seine Komfortzone überdenken und in Betracht ziehen, etwas Neues auszuprobieren. Ich erinnere mich gut an den Moment, als Sabine und ich an einem Wochenende morgens mit den Rädern unterwegs waren und wir plötzlich die Idee hatten, dass es ein lustiges Abenteuer sein könnte, mit dem Zelt in den Urlaub zu fahren. In den Wochen darauf kam eines zum anderen und schließlich stand unser Plan, mit den Fahrrädern, einem Zelt und ganz viel Freiheit an der Nordsee Urlaub machen zu wollen. Dann hatte ich einen Sportunfall und über Wochen war unklar, was mit meinem Knie überhaupt los ist und wie lange ich ausfallen werde. Wir haben weitergeplant und gehofft und gebangt und manchmal sind solche Zeiten gut, um sich darüber klar zu werden, dass genau das um was man gerade bangt das ist, was man will. Etwa anderthalb Wochen vor der potentiellen Abfahrt haben wir beschlossen, dass wir fahren werden („Mein Knie wird schon mitspielen“) und einige Tage vorher die endgültige Route festgelegt: Mit der Bahn sollte es nach Kassel gehen, von dort nach Hann. Münden und den Weser-Radweg entlang bis Cuxhaven, ab dort den restlichen Teil des deutschen Nordseeradweg. Das ganze mit unseren geliebten Fahrrädern, unserem tollen neuen Zelt und unserer leidenschaftlich zusammengestellten neuen Ausrüstung – im Gepäck eine Menge Lust auf Neues und Freiheit und einigen Bammel vor den Tücken eines reduzierten Lebens. Das Abenteuer konnte beginnen!

Freitag, 1. August 2014

Wir hatten schon am Abend zuvor akribisch alles zusammengepackt und waren freudig überrascht, dass wir alles unterbekommen haben. Nun ging es los, wir hatten gute Puffer eingeplant um am Bahnhof genug Zeit zu haben um ein Ticket zu kaufen und zu probieren wie wir mit den vollgepackten Rädern auf den Bahnsteig komme werden… viel Zeit…
Beim Bepacken der Räder kam unser Nachbar aus seiner Wohnung, fragte noch dies und das, erzählte noch das ein oder andere Anekdötchen und schwups, plötzlich waren wir spät dran. Die ersten Meter mit den bepackten Rädern sind wir also sehr flugs zum Bahnhof geradelt, haben schnell ein Ticket gekauft und mussten sehr schnell zum Bahngleis, denn wir hatten nur noch wenige Minuten. In den Aufzug passte ein Rad. Ich fuhr als erste, der Zug fuhr ein. Sabine war noch oben, ein älterer Herr im Elektrorollstuhl wollte nach oben, fuhr in den Aufzug und just in dem Moment in dem die Türen sich schließen wollten, fluppte sein am Rollstuhl befestigtes Deutschlandfähnchen in die Lichtschranke. Die Türen gingen wieder auf, er hielt die Fahne fest, die Türen gingen zu. Flupp… naja, ihr könnt es euch denken. Mittlerweile leerte sich der Bahnsteig, der Zug drohte abzufahren, das Fahrradabteil war natürlich weit weg vom Aufzug. Ich schleppte mein etwa 30 Kilo schweres beladenes Rad also halb in einen normalen Eingang und keuchte den Schaffner nur an „bitte, warten… ich warte noch auf jemanden“. Er grinste nur, und nickte… Als der Rolli-Mann sein Fähnchen endlich unter Kontrolle hatte und Sabine endlich bei mir war, war ich fix und fertig und wir hatten direkt unser erstes Abenteuer hinter uns.
Nach dem Umstieg in Frankfurt hatten wir es auch gemütlicher und konnten direkt im Fahrradabteil platznehmen.
Auch hier zeigte sich, dass Zugfahren eine wunderbare Möglichkeit ist, soziologische Feldstudien zu betreiben: Eine Horde junger und weniger junger alkoholisierter Punks auf dem Weg zu einem Festival hatte sich auf dem Boden des Fahrradabteils niedergelassen und dort grölend weitergesoffen. Auf Schnapsrunde folgte Schnapsrunde und unzählbar viele Biere pro Nase. Mit jedem Bier wurden sie lauter und unangenehmer. Am Anfang war das noch ganz lustig und unterhaltsam, irgendwann fingen sie im Zug an zu rauchen und gegen Ende erbrachen sich mehrere in den Zug. Wir waren echt froh als wir aus dem Zug draußen waren – heute finden wir die Geschichte ausgesprochen lustig.
In Kassel sind wir dann auch ausgestiegen und haben uns mit den Rädern an der Fulda entlang auf den Weg nach Hann. Münden zu unserem ersten Campingplatz gemacht. Es war total schön, der Weg ist super ausgebaut und beschildert und liegt sehr idyllisch am Fluss. Auf dem Platz angekommen haben wir unser neues Zelt zum ersten mal aufgebaut (klappte super) und das bezaubernde Städtchen Hann. Münden erkundet – der Ort an dem Fulda und Werra sich küssen und daraus die Weser entsteht.
Abends kochte Sabine zum ersten mal mit unserem neuen Campingkocher, es gab köstliche Reis-Kokos-Pfanne und wir freuten uns auf den Beginn unserer Reise auf dem Weser-Radweg.
  • Bahnfahrt von Darmstadt über Frankfurt nach Kassel
  • 32,04km mit den Rädern von Kassel nach Hann. Münden
  • Übernachtung auf dem Campingplatz Busch Freizeit Hann. Münden http://www.busch-freizeit.de

Samstag, 2. August 2014

Die erste Nacht im Zelt war eher unruhig und kühl – dennoch waren wir schon am ersten Morgen von dem wunderbaren Gefühl begeistert, die frische Morgenluft genießen zu können. Schon gegen neun Uhr hatten wir alles zusammengepackt und sind losgefahren. In Hann. Münden haben wir noch Brötchen für das Mittagessen und eine Wärmflasche besorgt. Der erste Teil der Strecke hielt ein paar Steigungen für uns parat, bei denen wir (noch ohne Frühstück) ganz schön zu schaffen hatten. Gegen Mittag wurde die Strecke dann aber sehr sehr schön und wir haben malerische kleine Dörfchen bewundert und die Weser begleitet, die sanft durch das Weserbergland geströmt ist. Zum Mittagessen gab es Brötchen mit Avocado, Paprika und Gurke mit schöner Aussicht. Durch Bad Karlshafen hindurch fuhren wir weiter nach Höxter, wo wir an einem schönen Campingplatz direkt an der Weser unser Zelt aufgeschlagen haben. Zum Abendessen gab es klassisches Camper-Essen: Nudeln mit Tomatensoße und Salat. Am Abend  konnten wir vom Zelt aus ein kleines Gewitter beobachten, das erste mal das sanfte Trommeln des Regens auf unserem grünen Zuhause hören – und sind müde und zufrieden in unsere Schlafsäcke gefallen.

Sonntag, 3. August 2014

Es ist magisch morgens aufzustehen und auf einen ruhigen Fluss zu schauen, der friedlich vor sich hin fließt. Nach den ersten zehn Kilometern kamen wir an einem wunderbaren Fahrrad-Rastplatz mit Brombeer-Hecke an und haben dort leckeres Müsli mit Beeren, Nektarinen und Bananen gefrühstückt. Die total schöne und (wie auf dem gesamten Weser-Radweg) durchgehend ausgeschilderte Strecke führte die meiste Zeit direkt am Fluss entlang, durch kleine Fachwerk-Dörfchen und mittelgroße Städtchen. Zeitweise knallte die Sonne uns fordernd auf den Hinterkopf zwischendurch tröpfelte es auch ein bisschen. Unser eigentliches Ziel heute war die Rattenfänger-Stadt Hameln. Kurz vor Hameln sind wir in einem kleinen Ausflugslokal eingekehrt an dem wir eine sehr ungewöhnliche Art kennengelernt haben, Fliegen aus den Räumen fernzuhalten – ich halte die Wirksamkeit ja für fraglich, auf jeden Fall sieht es ausgesprochen lustig aus, wenn über dem Eingang einer Gaststätte mit Wasser gefüllte Beutel hängen.
Der Tag war einfach toll, die Sonne strahlte mal wieder und wir beschlossen also kurz vor Hameln, noch bis Rinteln zu fahren. Durch abgeernetete Äcker, immer wieder von süßen kleinen Feldmäusen begleitet traten wir also in die Pedale und genossen die Ruhe des Radelns, die nach spätestens 40km in eine Art Flow ausartet.
In Rinteln sind wir auf einem gemütlichen und einfachen Campingplatz untergekommen, auf dem es an der Zeltwiese einen kleinen überdachten Bereich gab, in dem wir und die anderen Zelter Spülen, Essen und Wäschetrocknen konnten. Wie einfach Luxus doch sein kann! Hier haben wir auch eine Mitradlerin wieder getroffen, die auch in Hann. Münden übernachtet hatte und deren Tour sie vom Bodensee bis nach Cuxhaven führen sollte. Überhaupt ist auch die lockere Gemeinschaft der Radreisenden eine Erwähnung wert, denn auf unserer gesamten Reise haben wir sehr viele sehr freundliche Radler_innen getroffen, uns schnell daran gewöhnt dass sich Radreisende untereinander grüßen und viel Offenheit und Hilfsbereitschaft erfahren.
Zum Abendessen gab’s Couscous mit Kichererbsen, Zucchini und Tomaten – und wiedermal große Augen der Zelt-Nachbarn, die immer wieder erstaunt darüber waren, dass wir „richtig kochen“ und was wir alles auf unseren Rädern dabei hatten 😉
  • 97,77km mit den Rädern von Höxter nach Rinteln
  • Übernachtung auf dem Campingplatz Wohnpark am Weserangerbad in Rinteln http://www.camping-wohnpark.de

Montag, 4. August 2014

Sachen zusammenpacken, Zelt abbauen, Räder packen – das alles ging uns mittlerweile locker von der Hand und jeder Handgriff saß. Wie immer waren wir auch hier ein tolles Team <3 Am heutigen vierten Tag lag Porta Westfalica vor uns, der Ort an dem die Weser vom Weser Bergland in die Norddeutsche Tiefebene fließt und die Landschaft plötzlich eine andere ist. Von Rinteln aus fuhren wir los und hatten zum ersten mal mit der Beschilderung Schwierigkeiten, konnten uns aber mit unseren Karten gut weiterhelfen. Inzwischen haben wir die vielen Radfahrer-Rastplätze schätzen gelernt, an denen sich nicht nur Bänke sondern oft auch Tische befinden und die uns die Essenszubereitung unterwegs sehr viel bequemer gemacht haben. In einem kleinen Dörfchen frühstückten wir heute vor dem idyllischen alten Friedhof, wechselten zwei, drei Worte mit vorbeigehenden Einheimischen und genossen den Tag.
Die spätere Durchquerung von Porta Westfalica selbst war irgendwie nicht sehr spektakulär, auch wenn das Kaiser-Wilhelm-Denkmal von unten (Zitat Reiseführer: „Wenn Sie keine Steigungen scheuen…“ ok, wir sind dann mal raus) sehr schön anzusehen war. Dennoch, hier veränderte sich die Landschaft und irgendwie auch die Leute. Der Norden war nah und die ersten Möwen flogen über unsere Köpfe. Da oben wurde es leider aber auch ein wenig grau und wir machten uns gleichzeitig ein bisschen Sorgen um das Wetter und waren froh über unsere wasserdichte Ausrüstung. Noch blieb jedoch alles trocken, das Wetter wechselte alle paar Minuten. In Bad Oeyenhausen wollten wir einen Supermarkt finden, was gar nicht so einfach war und einen Umweg von knapp 10km und einige verwirrte Bad Oeyenhausener nach sich zog („Hier in der Innenstadt gibt es sowas nicht…“). Falls wir Leser aus Bad Oeyenhausen haben, sie mögen es uns verzeihen, aber die Stadt hat auf unserem kurzen Abstecher irgendwie einen verwirrenden Eindruck auf uns gemacht und wir waren froh, als wir wieder weiter konnten. Kurz darauf konnten wir endlich sagen, dass es uns möglich war, Minden zu finden und haben an einem idyllischen Ort direkt an der Weser etwas getrunken, wieder Sonnenschein genossen und uns anschließend zum ersten mal verfahren. Einfach so. Wir sind den Schildern gefolgt und kamen plötzlich wieder da raus wo wir herkamen. „Finden Sie Minden!“ Macht bei einer solch verwirrenden Beschilderung erst richtig Sinn 😉 Schließlich haben wir aber auch wieder aus Minden herausgefunden und kurz vor Petershagen beschlossen, den nächsten Campingplatz anzufahren. Im gleichen Moment öffneten sich die Schleusen des Himmels und es schüttete wie aus Eimern. Wir versuchten der Anweisung unseres Buches zu folgen und die Staustufe zu überqueren. Hier kommt ein Tipp für alle die ebenfalls diese Route fahren wollen: Tut das nicht! Man muss dazu mehrere normal-steile Treppen überqueren, an deren Rand nur ein schmaler Rampen-Streifen vorhanden ist. Es ist sehr schwer, diese Treppen mit bepacktem Rad zu überwinden, mir war es unmöglich (und ich bin eigentlich kein Schwächling). Eine der Treppen haben wir genommen, entschieden dass dies keine gute Idee ist und sind umgekehrt. Die eine Treppe mussten wir natürlich auch wieder zurück, mein Rad ist mir dabei ein Stück abgehauen, meine Knie waren nicht begeistert und es war noch dazu unheimlich rutschig. Wir sind froh, dass nicht mehr passiert ist und beschlossen, die 5km Umweg zu fahren und die Auto-Brücke zu nehmen. In Petershagen hörte der Regen dann auch wieder auf, und als wir endlich in Lahde auf dem Campingplatz waren und unser Zelt wieder auf einem traumhaften Plätzchen direkt am Wasser aufgeschlagen hatten, strahlte über uns wieder der blaueste blaue Himmel. Die Weser gluckerte ein bisschen, ein paar Möwen kreischten und Sabine kochte uns Reis mit einer Pilzpfanne und Möhren-Gurken-Salat. Hach 🙂

Dienstag, 5. August 2014

Am nächsten morgen weckte uns der Regen, wir blieben etwas länger liegen und haben schließlich gemütlich im Bett gefrühstückt und sind erst gegen 11 Uhr losgeradelt. Die Landschaft und die Dörfchen hatten nun einen deutlich nordischen Touch, die Strecke war traumhaft schön und auf einen trüben Vormittag folgte ein Nachmittag mit strahlendem Sonnenschein. Bei Schweringen nahmen wir die bezaubernde kleine Weserfähre, auf der wir alleine mit der Steuerfrau und ihrem ausgesprochen freundlichen Jack-Russel die Weser überquerten. Danach ging es Richtung Hoya weiter, zum ersten mal blies uns heute ein bisschen Gegenwind um die Nase (naja, wir hielten das damals für Gegenwind, in Wirklichkeit war es eher ein laues Lüftchen verglichen mit dem was uns noch erwartete) und vorbei an Sonnenblumenfeldern und durch Örtchen die so hübsch waren, als wären sie gemalt sind wir schließlich in Eitzendorf auf unserem Campingplatz für die Nacht angekommen – ein ebenfalls bezauberndes Fleckchen Erde, auf dem wir vom Platzwart („Ich bin der Ulli!“) freundlich begrüßt wurden und ein eigenes kleines Stück Wiese bekommen haben – mit Hecken umwachsen und mit einer eigenen kleinen Brombeerhecke. Es war spät an diesem Abend, Sabine hatte noch schnell ein leckeres CousCous-Gericht mit Möhren, Zucchini und Tomaten gezaubert, die Waschmaschine des Platzes wurde noch schnell bemüht und dann sind wir ganz schnell vor den vielen Stechmücken („Camping am See“) in unser heimeliges Zelt geschlüpft.

Mittwoch, 6. August 2014

Sonne beim Aufstehen! Wie schön! Das weckte nicht nur unsere gute Laune, sondern ermöglichte uns auch, unser Zelt mal richtig durchzutrocknen. Unser heutiges Ziel war Bremen und wir hatten vor, dort zwei Nächte in einem Zimmer zu übernachten. Auch heute frühstückten wir wieder an einem zauberhaften Örtchen, einer kleinen Schutzhütte bei Oiste, in der der süßeste Stadtplan hing, den ich jemals gesehen habe. Mit der Hand gemalt! Und mit einem Magnet-Auto! Ich bin noch immer völlig verzückt wenn ich daran denke. Über die Dörfer und am Deich entlang erreichten wir am Nachmittag unser Hostel, das wir kurz zuvor telefonisch reserviert hatten. Nun, sagen wir mal so, das Hostel war Bestandteil unseres Abenteuers. Kartenzahlung? Leider kaputt! Ihr Zimmer ist im vierten Stock – Aufzug ist leider gerade kaputt! Naja, dachten wir, halb so schlimm, und haben unseren Kram eben zu Fuß hochgetragen – durch Gerüche die schlecht zu beschreiben sind (irgendwo zwischen altem Rauch und Katzenpipi… wir garantieren für nix). Das Zimmer selbst war ganz ok und nach der ersten Stunde lüften müffelte es auch fast nicht mehr. Um Wasser zu haben musste man erst den Haupthahn öffnen, sonst tropfte der Spülkasten, eine von zwei Herdplatten war auch „leider kaputt“. Wir fanden es lustig. Überall klebten kleine Zettel auf denen „leider kaputt“ stand und ein trauriger Smilie darunter. Wir würden nicht nochmal dort übernachten aber auf unserer Reise bei der wir zum erklärten Ziel hatten, ganz entspannt auch mal unsere Komfortzone zu verlassen, war dieses Hostel genau das richtige 😉
Bremen ist eine tolle Stadt! Abends fuhren wir durch die Innenstadt ins Viertel, aßen bei Tom und Karo (http://www.tomundkaro.de) Burger, Fallafel, Pommes und Kuchen und radelten danach gemütlich noch ein bisschen an der Weser entlang. Es war schön, wieder an einem Ort zu sein, an dem es veganes Essen zu kaufen gab.

Donnerstag, 7. August 2014

Radelpause in Bremen. Mit der Straßenbahn ging es ins Viertel und von dort zu Fuß gemütlich zurück zum Hostel. Das führte uns in einen traumhaft schönen Teeladen (http://www.buddhawelt.de/buddhawelt/indexBuy.html) vorbei an skurrilen Fachgeschäften, durch coole Postkartenläden, verträumte Buchläden, gut ausgestattete Outdoorläden und allerlei anderes Schönes. Bei Dean and David (http://deananddavid.de) gabs leckeren Salat zum Mittagessen und abends waren wir tatsächlich zum ersten mal im Vapiano (http://de.vapiano.com/de/home/). Bremen ist eine tolle Stadt, die beiden Tage in Bremen waren wirklich schön, und doch haben wir uns abends nach unserem heimeligen Zelt gesehnt und danach, selbstversunken und ruhig die immer gleichwährende Bewegung des Radelns durchzuführen.

Freitag, 8. August 2014

Nach Bremen kommt schon bald die Nordsee und wir konnten es kaum erwarten, endlich dort anzukommen. Bis Nordenham wollten wir fahren, bis Wremen sind wir gekommen, weil unsere Lust auf Meer so groß war, dass wir die 30km noch draufgelegt haben. Die Weserfähre nach Bremerhaven haben wir gerade so noch bekommen, die Reise durch das Hafengebiet war ebenso abenteuerlich (Schilder? Wozu?) wie beeindruckend (riesige Schiffe!) und wir haben uns sehr gefreut, als wir in Wremen über den Deich fuhren und der Kleine Preuße zu sehen war. Als Studentinnen haben wir oft in Wremen in den „Sturmwochen“ Urlaub gemacht – zu einem Spottpreis und hohem Erholungswert. Der Campingplatz in Wremen liegt direkt am Meer, der Abend war lau, fast windstill und die Luft roch nach Meer.
In der Nacht hörten wir das Meer rauschen und dann begann es zum ersten mal zu Stürmen. Der Regen trommelte jetzt nicht mehr sanft auf unser schönes Zelt, er donnerte und rüttelte und zeigte was er kann.

Samstag, 9. August 2014

Das Zelt hielt. Während einige unserer Nachbarn nachts neu abspannen mussten, Gestängebrüche hatten, von nassen Zeltteilen im Gesicht geweckt wurden oder versucht haben, unsere Belüftung zu schließen um unser Zelt zu schützen, schliefen wir friedlich bis zum nächsten Morgen. Windig war es noch immer und ab und an regnete es noch. In einer Regenpause packten wir zusammen und es ging los nach Cuxhaven und genossen den Rückenwind. Schon nach wenigen Metern fing es wieder an zu tröpfeln und wir machten einen fatalen Fehler: Wir warteten auf den richtigen Moment um unsere Regenkleidung anzuziehen. Was soll ich sagen, der war spätestens jetzt! Wir taten das allerdings erst, als es richtig schüttete, so dass wir vom Regen geschützt waren und die nasse Kleidung unter Regenjacke und -hose langsam warm und eklig wurde. Naja… dieser Tag war außerdem der, an dem ich gelernt habe, dass Ponchos nicht in Norddeutschland erfunden wurden. Gegen alle Empfehlungen wollte ich unbedingt einen Poncho. Leider konnte ich bei diesem Wind damit überhaupt nicht radfahren. Es war ziemlich desolat und ich war unglaublich dankbar dafür, dass Sabine mit mir getauscht hat und die Poncho-Bürde auf sich genommen hat. Den Anblick, wie sie hinter mir „stoooop“ ruft und ich eine leider nasse Sabine sehe, deren Poncho nur noch am Kopf hält und der restliche Poncho nach oben weht und nicht mehr zu kontrollieren ist, war ebenso dramatisch (kalt! nass!) wie lustig.
Die Strecke ist wieder traumhaft schön. Kurz hinter Arensch fahren wir durch ein Waldstück und treffen dutzende putzigste Babykröten, ab Sahlenburg radeln wir mit Blick auf’s Meer und schlagen auf einem Campingplatz in Duhnen unser Zelt auf. Der Platz ist nicht so unser Fall, eher beengt und umzingelt von Wohnwägen, aber wir sind sowieso gleich wieder unterwegs und wollen in der Innenstadt von Cuxhaven eine Regenjacke für mich kaufen – leider haben die Geschäfte schon geschlossen als wir ankommen. Auf dem Rückweg machen wir halt am Deich, essen unsere Brötchen mit Blick auf’s Meer und die vorbeifahrenden riesigen Schiffe. Es ist kalt an diesem Tag und der Regen vom Mittag hat uns ziemlich durchweicht. Am Zelt angekommen kocht Sabine uns deshalb eine Linsensuppe und wir kriechen schnell in unsere warmen Schlafsäcke.
  • 44,41km mit den Rädern von Wremen nach Cuxhaven
  • Übernachtung auf dem Campingplatz Wattenloeper http://wattenloeper.de

Sonntag, 10. August 2014

Während der Regen heute ein Einsehen hatte, hat der Wind uns gezeigt, was er drauf hat. Hatten wir gestern noch Rückenwind und sind quasi anstrengungsfrei durch den Regen gerollt, durften wir heute wunderbare Sonne genießen, während der „Bergsimulator“ sein Bestes gab. Gegenwind. Eigentlich so gut wie den ganzen Tag. Die Strecke von Cuxhaven weiter nach Südosten war wunderschön, führte und zunächst an einem kleinen Hafen und Badestränden vorbei, durch hunderte von Schafen und mit Blick auf’s Meer. Und irgendwann hinter Neuhaus, nach der Überquerung der Oste, begann eine Strecke, auf der wir 20, 30km durch das Nichts geradelt sind. Maisfelder, abgeerntete Felder, sonst nichts. Keine Kuh, kein Schaf, kein Auto, keine anderen Radler. Der Gegenwind blies uns ins Gesicht und kannte kein Erbarmen, die Sonne verzog sich langsam und hinter uns zogen dunkle Wolken auf. Gegenwind. Unser Kartenmaterial war an diesem Tag eher schlecht (nur an diesem Tag) und alle ein bis zwei Kilometer mussten wir auf meinen Wunsch anhalten – ich konnte einfach nicht mehr. Es war der schlimmste Moment unserer Reise, es fühlte sich an, wie eine klingonische Geistesprüfung und ich selbst hätte gerne angehalten, geweint und gesagt „es geht nicht mehr“ – aber was hätte das gebracht? Irgendwann tauchte in der Ferne ein Kirchturm auf und glaubt mir, wir waren noch nie so glücklich darüber, wieder in einem kleinen Örtchen zu sein. Wir hatten uns durchgekämpft! Das Örtchen hieß „Freiburg“ und den Rest der Strecke fuhren wir glücklich (trotz weiterem Gegenwind) an der Straße entlang.
Unseren heutigen Campingplatz erreichten wir über eine Brücke, die man nur an Wochenenden und Feiertagen jeweils zweimal zwei Stunden am Tag befahren kann – an allen anderen Tagen muss man einen Umweg von einigen Kilometern fahren. Wieder am Deich entlang, durch Schafherden und an Pferden vorbei kamen wir am gemütlichen und total freundlichen Campingplatz am Leuchtturm an und konnten das Zelt gerade noch so aufbauen, bevor die grauen Wolken ihre nasse Bestimmung erfüllten.

Montag, 11. August 2014

Der Gegenwind vom Vortag steckte uns noch immer in den Knochen, wir wurden aber erstmal mit Rückenwind belohnt. Da die Brücke von gestern, Montags nicht befahrbar ist, nahmen wir den Umweg und hatten eine schöne Strecke bis Wischhafen, wo wir mit der Elbfähre nach Glückstadt übersetzten. Ein bisschen Gegenwind hatten wir auch heute wieder, und auch heute regnete es immer mal zwischendurch. Im Nachhinein würde ich sagen, Sonntag und Montag waren unsere Krisen-Tage. Den ersten Teil der Strecke fanden wir irgendwie bedrückend. Am AKW Brokdorf vorbei und am stillgelegten AKW Brunsbüttel, zwischendurch immer wieder Regengüsse. In Brunsbüttel nahmen wir die (kostenlose) Fähre über den Nord-Ostesee-Kanal und wollten in der Innenstadt etwas einkaufen. Zum ersten mal auf unserer Reise begegneten wir dort unfreundlichen Leuten. Die Stadt hatte irgendwie eine komische Atmosphäre, die Bewohner begneten uns skeptisch und verschlossen statt freundlich und offen, wie wir es im Laufe der Reise sonst erfahren hatten. Auch hier möchte ich mich bei unseren Leser_innen aus Brunsbüttel entschuldigen, aber diese Stadt hat mir wirklich überhaupt nicht gefallen – wir entschieden uns, trotz des unsicheren Wetters, weiter zu fahren. Hier wollte ich nicht schlafen.

Der weitere Weg führte uns ein Stück durchs Binnenland. Wir durchquerten Eddelak, St. Michaelisdonn und Meldorf und ließen uns vom Regen veräppeln, der immer genau dann wieder aufhörte, wenn wir unsere Regensachen übergezogen hatten. In Nordermeldorf fanden wir dann einen bezaubernden kleinen Campingplatz, sehr einfach und sehr charmant. Hier schlugen wir unser Lager auf, kochten vor dem Wohnhaus des Besitzers am Tisch Kokos-Reis-Gemüse-Pfanne und spielten abends in der umgebauten Scheune ein paar Runden Billard. Brunsbüttel war jetzt wieder ganz weit weg 😉

Dienstag, 12. August 2014

Nach den Krisen-Gefühlen der letzten beiden Reisetage wollen wir einen ruhigen Tag einlegen und fahren nur bis Büsum. Dort genießen wir es, im Waschsalon auf unsere saubere Wäsche zu warten und unsere Handys zu laden. Zufriedenheit kann so einfach sein! Der Campingplatz ist nah an der Stadt, wir haben einen Tisch mit Bank direkt neben dem Zelt und fühlen uns wohl. In der Innenstadt kaufe ich mir endlich eine Regenjacke – lustigerweise in einem Laden, der uns im Frühjahr 2013 bei unserem Nordseeurlaub schon einmal gerettet hat, als wir dort sturmsichere Mützen gekauft haben. Büsum ist ziemlich touristisch, wir mögen es dort aber sehr. Als wir am Strand sind, sehen wir gerade noch die Flut, bevor sich das Wasser langsam wieder zurückzieht und das Watt freilegt. Möwen kreischen über uns, Strandkörbe stehen kreuz und quer und immer wieder strahlt der Himmel uns blau und fröhlich an. So haben wir uns das vorgestellt 🙂
  • 14,98km mit den Rädern von Nordermeldorf nach Büsum
  • Übernachtung auf dem Campingplatz Nordsee in Büsum http://camping-nordsee.de

Mittwoch, 13. August 2014

Die Reise geht nun weiter, wir hatten heute ein Stück vor uns, das wir schon gut kennen. Über Wesselburenerkoog – wo wir im Frühjahr 2013 Urlaub gemacht haben – und das Eidersperrwerk sollte es nach Sankt-Peter-Ording gehen. Leider waren dort keine Campingplätze mehr frei, so dass wir Tating als neues Ziel auserkoren haben. Am Deich entlang pustete uns der Wind erstmal gen‘ Norden – wie schön! Hinter dem Eidersperrwerk dann wieder Gegenwind. Der Campingplatz in Tating war sicherlich der modernste aller Plätze die wir besucht haben – blitzblank sauber mit einer tollen Zeltwiese und total freundlichen Leuten. Nachdem wir alles aufgebaut haben, sind wir nach Sankt-Peter-Ording geradelt. Auch hier kennen wir uns schon ein bisschen von vorherigen Urlauben aus. Das Städtchen ist wunderschön, der Strand einfach unbeschreiblich, aber die Menschenmengen sind uns immer wieder zu viel. Trotzdem war der Nachmittag wunderschön, das Licht am Meer, der Wind und der Sand, das sind Momente, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Am Abend gab es wieder leckere Pilzpfanne – gerade noch so im Trockenen. Kaum hatten wir alles weggepackt prasselte wieder Regen auf uns hinab.

Donnerstag, 14. August 2014

Es regnet. Allmählich beginnt der Regen uns zu nerven und der Wetterbericht der nächsten Tage lässt nichts gutes ahnen. Wir beschließen, unsere Reise noch in dieser Woche zu beenden, denn der für danach geplante Insel-Strand-Urlaub macht bei Regen keinen Spaß. In einer Regenpause bauen wir unser Zelt ab, währenddessen macht die Regenpause eine Pause 😉 Egal… Wir radeln Richtung Husum, unserem letzten Ziel, und kurz hinter Garding wundere ich mich über das komische Geräusch aus meinem Hinterrad…. oh nein, ich habe einen Platten! Sabine war zum Glück fantastisch ausgestattet, drehte mein Rad kurzerhand um, baute alles aus, flickte den Reifen, baute alles wieder ein und strahlte dabei freudig. Ich bin wirklich vom Glück gesegnet 🙂
Weiter ging die Reise nach Husum, vorbei an Uelvesbuel, am Roten Haubarg und schließlich nach Husum, wo wir feststellen mussten, dass mein Reifen leider die Luft nicht hält – der Flicken war wohl nicht dicht.
Der Campingplatz in Husum liegt direkt hinterm Badestrand. Wir schlugen unser Zelt auf, erkundigten uns nach dem nächsten Fahrradladen („noch 40 Minuten geöffnet“) liehen uns ein Rad auf dem Campingplatz um nicht alle 100m aufpumpen zu müssen und fuhren los wie der Blitz. Um zehn vor sechs ging es gemütlich mit neuem Schlauch in der Tasche zurück zum Platz. Sabine baute nochmal alles aus, nochmal alles wieder ein und nun ist mein liebes Fahrrad wieder heil. Die Sonne setzte sich wieder durch, der Abend war wunderschön und die Linsen-Reis-Kokos-Gemüse-Pfanne schmeckte köstlich. Am Abend beschlossen wir, den Freitag noch in Husum zu verbringen und Samstag nach Hause zu fahren.

Freitag, 15. August 2014

Zum ersten mal wachen wir im Zelt auf und müssen nicht packen, denn wir werden noch einen Tag in Husum bleiben. Wieder einmal regnet es. Wir lassen uns nicht beirren, ziehen uns wasserfest an und radeln am Deich entlang Richtung Schobüll, schauen uns dort ein wenig um und wieder zurück nach Husum. Auf dem Weg dorthin schüttete es in Strömen, gleichzeitig schien die Sonne. Das Licht war phänomenal, Regenbögen zierten unseren Weg. Wieder auf dem Campingplatz trockneten wir uns erstmal im Aufenthaltsraum und wärmten uns beim Mittagessen wieder auf. Danach klarte es auf, die Sonne kam heraus und es wurde ein wunderschöner Tag. Wir bummelten am Nachmittag durch die schöne Husumer Innenstadt. Im Café Auszeit (http://www.antik-list-petersen.de/cafe-auszeit/) bekamen wir leckeren Tee und Kaffee (Filterkaffee! Sehr cool!) und fragten in jedem Laden leider vergebens nach veganem Gebackenem, denn darauf hatten wir so richtig Appetit. Husum ist wirklich eine schöne Stadt, hier werden wir bestimmt noch einmal hinkommen!
Ab Abend machten einen gemütlichen Spaziergang am Deich und es gab Nudeln mit Tomatensoße und Salat – ab in die Schlafsäcke, der nächste Tag sollte früh beginnen!
  • 26km mit den Rädern von Husum nach Schobüll, wieder zurück und in Husum herum
  • Übernachtung auf dem Campingplatz am Dockkoog http://www.husum-camping.de

Samstag 16. August 2014

Heimreise. Nun da es soweit ist, freuen wir uns auch auf zu Hause – und sind wehmütig darüber, dass unser Abenteuer nun vorbei sein soll. Ein wichtiger Teil des Abenteuers stand uns aber noch bevor: Die Heimfahrt mit dem Zug. Sechs Umstiege und über 12 Stunden Fahrt. Und auch diesmal zeigte sich, dass Bahnfahren nichts für Weicheier ist 😉 In Elmshorn hatten wir eine Stunde Wartezeit, frühstückten „gemütlich“ am Bahnsteig und froren erbärmlich. Am Hamburger Hauptbahnhof gibt es keine Rolltreppen hinab und nur einen Aufzug pro Gleis – was dazu führt dass alle die auch nur ein kleines Köfferchen haben, sich am Aufzug anstellen und das alles sehr sehr lange dauert. In Hamburg stiegen wir in den Metronom, ein Zug von dessen Fahrradabteil, Mitarbeitern und Atmosphäre wir nachhaltig begeistert sind. So müsste es immer sein! In Uelzen setzte ein Platzregen ein, als wir umsteigen wollten, hörte aber auch gleich wieder auf. Inzwischen kannten wir die anderen Umsteigenden (eine Familie mit drei Kindern, eins davon zu Fuß, zwei andere Radler-Paare) und hielten am Zug gegenseitig die Türen auf. Auch hier waren wir sehr angetan davon, wie freundlich der Umgang untereinander war und haben etwas Wichtiges gelernt: Fragen hilft meistens 😉 Auf den Umstieg in Göttingen freute ich mich ein bisschen, weil Göttingen laut meinen Recherchen als „umsteigefreundlicher Bahnhof“ ausgezeichnet war. Nun, ich muss laut lachen während ich das Schreibe, in Göttingen war leider der Aufzug kaputt, so dass wir die Räder zusammen hochtragen mussten. In Göttingen gab es aber auch ein Le Crobaq und wir bekamen köstliche vegane Baguettes zum späten Mittagessen. Das schlimmste war nun geschafft, denn Kassel und Frankfurt sind Kopfbahnhöfe – Umsteigen mit Fahrrad ist da unproblematisch und gegen halb zehn kamen wir müde und vergnügt in Darmstadt an – so dass wir sogar noch schnell um kurz vor zehn im Rewe um die Ecke Obst für’s Frühstück kaufen konnten.
Zu Hause wartete eine tolle Überraschung auf uns: Meine Schwiegermama Rosemarie hat uns nicht nur ein Abendessen gekocht, sondern auch einen Apfelkuchen gebacken. Wir haben uns tierisch darüber gefreut!
Da waren wir nun wieder. Zu Hause in unserer geliebten Wohnung. Unser weiches Bett lachte uns an, unser eigenes Bad strahlte und uns erwartete eine Dusche, bei der man keine Münze einwerfen muss. Im Kühlschrank kann man mehr Lebensmittel aufbewahren als für einen Tag, der Herd hat vier Flammen und nicht nur eine und das Geschirr übernimmt die Spülmaschine. Überall Steckdosen! Der reinste Luxus!
Und doch, trotz aller Eingeschränktheit, unsere Reise barg für uns einen ganz anderen Luxus, nämlich die reine Freiheit. Jeden Tag zu entscheiden was wir tun wollen. Nur für uns zu sein. Neues zu entdecken. Alles was wir besitzen bei uns zu haben und nie überlegen zu müssen, was wir mitnehmen müssen. Einfachheit. Anstrengung. Zweisamkeit. Echtes Glück.
Schön wars.

Teil 2: Infos zur Ausrüstung

„Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt.“
Reisen haben ja einen ganz besonderen Zauber und es gibt nichts wundervolleres als eine neue Reise zu planen und so ist die Reisevorbereitung immer wieder ein besonderes Vergnügen. Bei dieser Reise eröffnete die Reisevorbereitung uns die aufregende neue Welt der Outdoorsachen. Es ist unglaublich was es alles in besonders praktischen Reisegrößen gibt, vom ausfahrbaren Schneebesen bis zur wassergeschützen Toilettenpapierabrollvorrichtung kann man sich hier wahrhaft zu Tode kaufen. Wir haben drei Samstage in Folge bei Globetrotter in Ffm verbracht und zusätzlich ungezählte Stunden mit Onlineshopping verbracht bis wir uns gut genug gerüstet fühlten. Selbstverständlich haben wir auch unseren Kleiderschrank auf seine outdoortauglichkeit hin geprüft und Notwendiges aufgestockt 😉
Ich schreibe ja vor jeder Reise eine Packliste, aber vor dieser Reise war es wirklich mal nützlich und erforderlich sich im Vorfeld genau zu überlegen was wir wohl brauchen werden und vor allem wie wir es auf dem Fahrrad transportieren werden.  Plötzlich spielten Die Eigenschaften „Gewicht“ und „Packmaß“ von Kleidungsstücken und Alltagsgegenständen eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des Equipments 😉 Im Folgenden wollen wir euch erzählen was wir alles eingepackt haben – uns hat es im Vorfeld sehr geholfen zu lesen, was andere Verrückte so mit auf eine solche Reise nehmen…

Die mobile, vegane Outdoor-Küche

Kleidung (pro Person)

  • 2 Hosen-davon am besten mindestens eine schnelltrocknende Funktionshose
  • Schlafshort und Schlafshirt
  • 3 T-Shirts (wie ihr euch denken könnt schadet auch hier Funktionsskleidung nicht)
  • ein Unterhemd
  • ein Langarmshirt
  • eine Fleecejacke* (möglichst warm)
  • eine Softshelljacke (wasserabweisend, atmungsaktiv)
  • Regenjacke und Regenhose (entgegen meiner Empfehlung hat sich Christiane an dieser Stelle gegen ihre Regenjacke und für einen Poncho entschieden. Das war ein Fehler ;-))
  • ein Handtuch* (schnelltrocknend mit gutem Packmaß)
  • einen BH, 5 Unterhosen, 5 paar Socken
  • ein Multifuktionstuch* (Buff)
  • Badeanzug
Unser Kochset von Primus (ETA Power) haben wir bei Bergefreunde.de gekauft und waren sehr zufrieden. Der Gaskocher läuft mit Schraubkartuschen und hat einen eingebauten Windschutz, der Topf einen energiesparenden Wärmetauscher. Man kann alles schön ineinanderstapeln und auch noch ein paar Utensilien dazupacken. Dazu gab es einen klappbaren Schöpflöffel und Pfannenwender, Teller, Dosen und Sporks von Light my Fire.
Es ist schwierig auf unbestimmte Zeit vorausschauend zu planen was man kochen wird und welche Gewürze man also dafür benötigen wird und so habe ich versucht ein möglichst breites Spektrum abzudecken und habe 2 Gewürzmischungen zusammengestellt: Eine, die mein ayurvedisches Gewürzfeuerwerk enthält und für alle Dahls, Currys und irgendwie indisch anmutenden Gerichte passen sollte und eine eher mediterran geprägte, ich hab sie „Pizzagewürz nach Art des Hauses“ genannt und sie war gut für Pastagerichte und mediterrane Gemüsepfannen.
Zusätzlich hatten wir noch einen  tollen Light my fire Gewürzspender mit Fenchel, Zimt und meinem Lieblingsgewürz Muskatnuss. Nicht zu vergessen unsere Tic Tac Packung voller Salz. Ansonsten gehörten zu unserer kulinarischen Ausstattung ein Glas Dijonsenf, eine Dose Walnussöl und drei Brühwürfel. Rückwirkend würde ich jedem empfehlen mehr Brühwürfel mitzunehmen. Auf dem Land ist es verdammt schwierig glutamatfreie vegane Brühwürfel nachzukaufen 😉 Ansonsten waren wir mit der genannten Ausstattung vollkommen zufrieden und sind gut damit ausgekommen.
Zum Frühstück haben wir uns jeden Morgens durch die Welt der Fertigmüslis durchgeschlemmt, es gibt wunderbare vegane Mischungen z.b von Seitenbacher. Ergänzt haben wir das Müsli täglich mit frischen Beeren, Nektarinen und Bananen und gemischt haben wir es  mit Sojamilch – mal Schoko, mal Natur – je nachdem welche  Sorte wir in den kleinen praktischen 3er Packs bekommen konnten.
Mittags haben wir fast immer Brötchen mit Senf, Avocado, Paprika, Gurke, Tomate oder Radieschen gefuttert und am Abend habe ich uns immer was gekocht.

Accessoires

  • Notizbuch, Füller, Tintenkiller, Bleistift
  • Akkus* und Ladekabel
  • Solarpaneel*
  • 2 Kindles*  (Wir haben uns beide vor der Reise nochmal neue Lektüre aufs Kindle geladen – es ist ein Segen soviel Bücher mit so geringem Packmaß transportieren zu können. Allerdings kamen wir beide kein einziges mal zum Lesen…dabei hatte ich so gehofft endlich dazu zu kommen  „Unendlicher Spaß“ zu lesen.)
  • Spielkarten (Offiziersskat)
  • Zeltlampe und Stirnlampen* (Petzl)
  • Erste Hilfe Set
  • Notfallnähset
  • Wäscheklammern und -leine
  • eine Picknickdecke (deren weiche Oberfläche dient verfrorenen Zeitgenossen nachts dann gleich noch als extra wärmende Matratzenauflage 😉
  • mein Moorhead Sitzkisten- für mich sind fast immer alle Untergründe zu kalt zum darauf sitzen
  • Werkzeug: ein Leatherman Juice S2, ein Multitool mit den gängigen Inbusschlüsseln, ein Multitool mit einem 10er, 13er und 15er Ringschlüssel, eine Luftpumpe* (ich kann die „Lezyne Pressure Drive“ sehr empfehlen, Flickzeug (keine selbsthaftenden Flicken – die taugen nix!) 3 Kabelbinder, etwas Gaffatape.

Im Vorfeld unsere Reise haben wir uns viele Gedanken gemacht und uns intensiv darüber gesorgt, ob wir wohl immer Strom für unsere Smartphones haben werden. Wir geben es zu, wir sind ziemliche Internet-Junkies. Für uns ist es überhaupt  kein Problem ohne Fernseher zu sein, selbst ohne unsere Macs schien uns einfach aber ohne iPhones konnten wir uns die Reise nicht vorstellen und so haben wir nach Lösungen der optimalen Stromversorgung gesucht und uns nach einiger Recherche gegen die Nabendynamo-Auflademöglichkeit und gegen den Topf, der beim Wasserkochen Strom erzeugt, entschieden. Ausgewählt haben wir stattdessen einfach zwei spritzwassergeschützte  Akku-Packs (jeweils 9.000 mhA). Jeder der Akkupacks kann ein Iphone bis zu 3 mal wieder aufladen und es ist kein Problem so einen Akku mal für ein paar Stunden unbeaufsichtigt im  Campingplatz Bad aufzuladen. Zusätzlich haben wir ein Solarpanel gekauft, mit dem wir bei gutem Wetter die Akkus ebenfalls ein bisschen Laden konnten. Mit diesem Dreiergespann sind wir sehr gut zurechtgekommen. Und Zeitweise hatten wir, der Sonne sei Dank, wirklich echten Ökostrom 😉

Unser Zuhause draußen

Bad

  • eine Rolle Toilettenpapier (in einer wassergeschützten Toielttenpapierabrollvorrichtung)
  • Deo
  • Sonnenmilch
  • Insektenschutz
  • Handcreme
  • Shampoo und Duschgel
  • Seife
  • Zahnbürsten, Zahnpaste, Zahnseide
  • Gesichtscreme
  • eine Nagelschere und ein Nagelklipser
Wir haben uns nach ausführlicher (und hervorragender!) Beratung bei Globetrotter Frankfurt für ein Jack Wolfskin Yellowstone III entschieden. Das schöne grüne Zelt steht auch bei Sturm wie eine eins, ist ratz-fatz aufgebaut und fantastisch belüftet. Wir lieben unser kleines mobiles Zuhause und empfehlen jedem, vor dem Zeltkauf eine gute Beratung in Anspruch zu nehmen.
Unsere beiden Matten von Therm-a-rest haben zwar super isoliert, leider hatte die eine aber ein defektes Ventil, so dass sie sich nicht mehr alleine aufgeblasen hat und auch nur sehr mühsam aufblasen lies und ebenso mühsam die Luft wieder entweichen lies. Das Zusammenpacken der Isomatte dauerte aufgrund dieses Defekts mindestens eine halbe Stunde (die andere eher 5 Minuten) und der Globetrotter Mitarbeiter bei dem wir die Matte hinterher reklamiert haben sagte lachend er hätte sie an unserer Stelle jeden Morgen platt gestochen und abends wieder geflickt als er sich das Elend ansah. Das beweist mal wieder was ich doch für ein geduldiger Mensch bin  ;-)). Er sagte uns auch, dass dies die erste Therm-a-Rest Isomatte mit diesem Problem sei und tauschte uns die Matte um. Die Schlafsäcke haben wir eine Nummer wärmer gekauft als nötig gewesen wäre und waren sehr froh darüber. Trotzdem wusste ich nach der ersten Nacht, dass mir die  beiden Notfallhandwärmer, die ich als Wärmequelle mitgenommen habe, nicht ausreichen werden und habe mir im schönen Städtchen Hann. Münden eine Wärmflasche gekauft, die ich fortan jeden Abend nach dem Abendessen mit eigens dafür gekochten Wasser aufgefüllt und in meinen Schlafsack gelegt habe. Ich bin halt verfroren 😉

Fahrradtaschen

Wir haben lange rumüberlegt, ob wir uns wirklich die recht teuren Orlieb-Taschen kaufen sollen, oder ob es etwas anderes tut als der „Klassiker“. Letztlich war absolute Wasserdichtigkeit das schlagende Argument und wir haben es nicht bereut. Die Taschen sind stabil, praktisch und sehen am Rad auch gut aus. Von Meru (bei Globetrotter) gibt es für recht kleines Geld organisierte Innentaschen, die genau in die Ortlieb-Taschen passen. Jede von uns hatte eine dieser Innentaschen, und diese als „Schrank“ benutzt. Dies hat uns bei unserer Kleidung sehr geholfen, Ordnung zu halten.
Es ist wirklich interessant wieviel Ordnung und Struktur wir in unserem Gepäck hatten. Wir wussten immer jederzeit in welcher Tasche was zu finden ist…ich hab mich gefragt ob Campen per se soviel Struktur erfordert, oder ob wir einfach alt geworden sind und deshalb die Struktur brauchen…ich kann mir nicht vorstellen, dass ich bei meiner ersten großen Campingreise ( Sommer 1995  4 Wochen durch Irland) derartig strukturiert war 😉 Egal.
Insgesamt hatten wir  zwei mal zwei Backroller classic, einen großen Packsack 109 Liter für die Isomatten und die Schlafsäcke, einen Rackpack in große S für’s Essen und einen Packsack 39 Liter für das Zelt und die Picknickdecke. Bei einer nächsten Tour würden wir noch versuchen, Frontroller mit einem Lowrider an die Vorderräder zu montieren, um eine noch bessere Gewichtsverteilung zu erreichen. In jedem Fall würden wir uns wieder für Ortlieb Taschen entscheiden.

Kartenmaterial

Wir ( eigentlich nur Christiane-ich hab mit Karten gar nichts am Hut) waren sehr zufrieden mit den Büchern aus der bikeline-Reihe
Für das kurze Stück von Cuxhaven bis Glückstadt (mit Fährüberfahrt in Wischhafen) hatten wir die Marco Polo Freizeitkarte 04 – Cuxhaven Nordseeküste.
Wenn man einen Schatz hat, der Karten lesen kann, braucht man sich vor nichts zu fürchten 😉
Da nicht jeder das Glück hat eine sehr gut orientierte Christiane sein Eigen zu nennen empfehle ich euch  dringend, Papierkarten mitzunehmen und euch nicht ausschließlich auf elektronische Karten zu verlassen – der Empfang war auf weiten Teilen der Strecke eher mäßig. Ein Smartphone ist jedoch eine sinnvolle Ergänzung, gerade auf Streckenteilen bei denen lange kein neues Schild kommt….

Fazit

Wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt – Hut ab! 🙂 Wir hoffen es hat Euch gefallen. Falls ihr selbst mit dem Gedanken spielt, eine schöne Reise zu machen, vielleicht eine, die ein bisschen verrückt ist – oder auch einfach eine, bei der es Euch gut geht, dann sagen wir Euch: Los! Worauf wartet ihr! Genießt Euer Leben, und erlebt, soviel ihr könnt.
„Also los, schreiben wir Geschichten die wir später gern erzählen… Und eines Tages Baby, werden wir alt sein. Oh Baby werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind.“ (Julia Engelmann)

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