In den letzten Tagen waren wir sehr ruhig auf unserem Blog und das hatte einen Grund: Wir haben gefastet. Und – um das schon mal vorweg zu nehmen – es war super und wir können es sehr empfehlen. Aber eins nach dem anderen 🙂

Warum wir gefastet haben

Der Herbst reißt vor allem mich, Christiane, immer ein bisschen in ein Leistungsloch. Die wenigen lichten Stunden die ich außerhalb des Büros verbringen darf kann man erst an einer Hand abzählen und schließlich sind sie quasi ganz weg. Dazu kam bei uns beiden Ende Oktober eine gewisse Trägheit und ein Gefühl des „überfressen“-seins. Nichts schlimmes, aber eben irgendwie nicht auf voller Power, so wie wir das von uns gewöhnt sind.
Die ein- oder andere Back-Orgie lag schon hinter uns und wir wussten: Bald beginnt die Vorweihnachtszeit und wir Winklers werden viel viel backen. Wir wollten aber einen bewussten Umgang mit unseren Leckereien angehen und dazu ein paar Tage raus aus der „Leckereien“-Routine.
Raus aus der Routine, den Körper mal „zurücksetzen“ und einen bewussteren Umgang mit dem Essen finden: Da bot sich Fasten ziemlich schnell an.
Die Idee brauchte ein paar Tage bis sie reif wurde. Während Sabine vor Jahren mal zwei oder drei Tage gefastet hat, war es für mich das erste mal. Und die gedankliche Beschäftigung damit hatte es auch in sich, denn ich bin so eher der „Gib-mir-jetzt-mein-Essen-oder-ein-Unglück-geschieht“-Typ. Meine Malzeiten sind mir wichtig, droht eine auszufallen werde ich schon mal ein bisschen… schwierig. Das machte die Idee zu fasten aber sehr schnell noch reizvoller, denn ich wollte mir selbst auch zeigen, dass ich durchaus gut ein paar Tage aus mir selbst genährt werden kann und nicht einen sofortigen Hungertod sterbe wenn das Mittagessen sich mal zwei Stunden verschiebt 😉
Nach einigen Tagen des Überlegens war es also beschlossen: Wir haben uns vorgenommen, noch vor der Weihnachtszeit zu fasten. Fünf Tage sollten es werden plus drei Aufbautage danach. Wir entschieden, am 13. November anzufangen: Das Wochenende war wundersamerweise noch frei und so wären wir an Sabines Geburtstag wieder ganz „fertig“. Dieser Zeitraum schien wie für unser kleines Projekt gemacht!

Welches fasten?

Für uns war sehr schnell klar, dass wir nicht Wasserfasten sondern  Saftfasten möchten. Uns gefiel der Gedanke das Ritual der Mahlzeiten irgendwie auch ins Fasten zu übernehmen und dabei verschiedene Geschmäcker genießen zu können. Dazu hätte ich beim reinen Wasserfasten doch irgendwie das Gefühl gehabt, meinen Körper nicht ausreichend mit Vitaminen zu versorgen – bei tollen Säften hatte ich da keine Sorge.

Vorbereitung und das Unaussprechliche

„Wann“ und „wie“ stand nun also fest, jetzt ging es erstmal mit dem „wie genau“ weiter. Wir haben viel recherchiert und massig Anleitungen zum Saftfasten gefunden. Die „Regeln“ changierten dabei zwischen „ein halben Liter Saft am Tag“ bis „so viel ihr wollt, ruhig auch mehr als ein Liter pro Mahlzeit“. Manche empfehlen Nussmilch dazu, andere auf keinen Fall. Und erst die ganzen Abführ-Methoden.
Überhaupt: Das Thema „Abführen“ ist nicht gerade mein Lieblingsthema. Aber probiert es mal aus: Wenn ihr irgendwo ein Gespräch über das Fasten anfangt fällt nach spätestens anderthalb Minuten das Wort „abführen“. Ich kenne jetzt die Abführ-Methoden einiger Kolleginnen die teilweise frenetisch begeistert davon erzählt haben. Tatsächlich habe auch ich mich an das Thema gewöhnt… und um die Frage zu beantworten die zwangsläufig immer kommt: Ja, natürlich haben wir abgeführt (muss man ja) und unser Mittel der Wahl war Sauerkrautsaft. Der Klassiker ist Glaubersalz, das haben wir uns auch nach Hause geholt, aber die Berichte davon wie ekelhaft das schmecken muss und die Vorstellung mit einer Chemikalie den Darm zu reinigen war irgendwie abschreckend. Die offensichtliche Nummer zwei der beliebtesten Abführmethoden, der Einlauf“, schien mir irgendwie zu wenig „durchputzend“. Wir beschlossen es also erstmal mit Sauerkrautsaft zu probieren und nur im Falle der Wirkungslosigkeit auf eine andere Methode auszuweichen.
Viel spannender als wie denn irgendwas rauskommt fand ich ja die Frage was reinkommt. Und um uns während unseres Saftfastens mit frischen tollen Säften zu versorgen haben wir uns kurzerhand einen Entsafter gekauft.

Es gibt Saft Baby – oder: Shoppen für Säfte

Vor dem Fasten stand nun erstmal das Shoppen 😉

  • Wir haben uns für einen Slow-Juicer der Firma Klarstein* entschieden. Mit rund hundert Euro ist das Gerät nicht super-teuer, aber auch kein Billigteil. Und die Methode das Saftgut zu zermalmen und durch ein Sieb zu pressen kam uns irgendwie sympathischer vor, als es zu zerhächseln und per Zentrifugalkraft zu entsaften. Zumal wir gelesen haben, dass Saft aus der Zentrifuge wohl schneller oxidiert, weil er beim zentrifugieren schon so stark mit Sauerstoff in Kontakt kommt.
  • Dazu gab’s ein schönes Buch über Säfte mit tollen Anregungen für ungewöhnliche Kombinationen, das wir Euch sehr empfehlen möchten (Super Säfte! von Erin Quon und Briana Stockton*).
    Um die Säfte mitnehmen zu können kauften wir uns in den Tagen davor einige Smoothies in Glasflaschen die wir während des Fastens dann als Saftflaschen verwenden konnten.
  • Ebenfalls sehr informativ und hilfreich ist das Buch „Wie neugeboren durch Fasten“ von Hellmut Lützner*.
  • Und zu guter Letzt beinhaltete unsere Vorbereitung den Einkauf von un-glaub-lich viel Obst und Gemüse. Massen! Äpfel. Birnen, Fenchel, Sellerie, Cranberries, Ingwer, Kurkuma, Ananas, Pastinaken, Gurke, Paprika, Tomaten, rote Bete, Möhren, Chili, ach, mir fällt gar nicht mehr alles ein! Es war herrlich und unser Obstkorb sah super aus!
Habe ich erwähnt, dass wir uns entschieden hatten, soviel trinken zu können wie wir wollen? Ich habe vor lauter Hunger-Angst erstmal mit drei Litern am Tag geplant, Sabine rechnete eher mit anderthalb Litern… mal schauen wer Recht behalten sollte…

Los geht’s

Wir mussten noch ein bisschen bibbern, denn mich hatte Anfang November eine fiese Bronchitis erwischt – und zum Fasten soll man gesund sein. Und tatsächlich hatte das Schleim-Monster in meinen Bronchien ein Einsehen und ließ mich rechtzeitig aus seinen Klauen. Also konnte es losgehen. Vor dem ersten Fastentag ist erstmal ein Entlastungstag fällig. Kein Fleisch, keine tierischen Produkte, kein Alkohol – das machen wir ja eh nie. Kaffee haben wir montags zuletzt getrunken und am Donnerstag dann auch keinen Zucker und eher leichte Kost zu uns genommen. Sabine hat Mittwoch und Donnerstag schon ihr Frühstück durch Saft ersetzt. Donnerstagabends bereiteten wir dann die Säfte für Frühstücks- und Mittagssaft an Tag eins vor und legten uns ziemlich aufgeregt ins Bett.

Freitag ging es also los. Ihr Lieben, wenn Sauerkrautsaft die „schmackhafte Alternative“ zu Glaubersalz ist, dann muss Glaubersalz wirklich ekelhaft sein. Also so richtig. Denn morgens auf nüchternen Magen einen halben Liter Sauerkraufsaft zu trinken ist schon… abenteuerlich. Nunja. Um es kurz zu machen, er tat seine Wirkung und tatsächlich sorgt ein leerer Darm offenbar dafür, dass der Körper kaum Hungersignale sendet. Ich bin immer noch vollkommen erstaunt darüber wie leicht es war, aufs Saftfasten umzustellen. Ehrlich gesagt, ich bin oft hungriger wenn ich von der Arbeit komme, als ich hungrig war während wir gefastet haben. Klar: Appetit hatten wir. Mächtigen Appetit. Mir wurde sehr schnell deutlich, welche große Rolle Essen, Lebensmittel, Kochen, Genießen in unserem Leben spielt. Im Alltag, aber auch durch diesen Blog hier oder beim Surfen. Am ersten Tag fand ich das noch ein bisschen komisch, aber schon nach kurzer Zeit wurde mir sehr klar: Genau so will ich das, denn Essen, Kochen, Lebensmittel und Genuss sind einfach ein großartiger Bestandteil unseres Lebens. Ich liebe es, dass all dies zu unserer Leidenschaft zählt. Aber erstmal zurück zum Nicht-Essen 😉
Wir erwarteten aufgrund unserer Recherchen und den Berichten die wir bisher gelesen haben mindestens drei anstrengende Entgiftungstage und waren nach Tag eins ziemlich erstaunt darüber, wie leicht alles war. Uns war ziemlich kalt – ein typisches Fasten-„Symptom“ – und Sabine (deren „Normal“-Blutdruck auch schon oft bei 90 zu 60 liegt) hatte von Anfang an die zu erwartenden Kreislauf-Probleme, aber ansonsten war alles super. Auf einen unglaublich tiefen Schlaf folgte also der Samstag und damit Tag zwei. Jetzt müssen sie doch kommen, die bösen Entgiftungserscheinungen, oder?
Ein bisschen kamen sie. Ein paar Pickelchen, ein bisschen Kopfweh, ein bisschen schlechte Laune. Aber ehrlich gesagt: Mir gings schon ohne Fasten schlechter 😉 Körperlichen Hunger hatten wir so gut wie gar nicht, Appetit aber schon. Kalt war uns und ein bisschen schlapp – so dass wir dann doch nicht Bouldern gehen wollten wie ursprünglich geplant sondern uns ins Bett gekuschelt haben: Deep Space Nine schauen und geruhsam in Tag drei schlafen.

 

Der Sonntag war schon super entspannt. Ich schaute in den Spiegel und war völlig entzückt davon, wie frisch ich aussah. Ab Sonntag war körperlicher Hunger überhaupt kein Thema mehr und auch den Appetit hatten wir super im Griff – aber wir freuten uns schon ziemlich auf Mittwoch, den Tag des Fastenbrechens. Sonntag gönnten wir uns einen tollen Tag in der Sauna und fühlten uns danach unglaublich frisch und gereinigt – herrlich!
Montag und Dienstag waren nun also die berüchtigten Tage vier und fünf des Fastens, in denen fast alle von quasi unendlicher Energie und Euphorie berichten. Die Verdauung – die normalerweise knapp ein Drittel unserer Energie braucht – ist zum Erliegen gekommen, der Körper kann diese Energie nun dafür verwenden fröhlich durch die Gegend zu tanzen. Tatsächlich waren wir beide Montag und Dienstag außergewöhnlich gut gelaunt und hatten wirklich ziemlich viel Energie. Es ging uns wirklich rundum gut, wir strahlten von innen heraus. Und dazu freuten wir uns schon total aufs Fastenbrechen und waren unglaublich stolz, alles durchgezogen zu haben.
Ich persönlich habe mir diesen Energiestoß noch krasser vorgestellt. Vielleicht haben wir einfach schon im Normalzustand ziemlich viel Energie – aber so wie der Entgiftungstag nicht absolut grauenvoll war, so waren auch Tag vier und fünf jetzt nicht so übermäßig-wahnsinnig-grandios wie oft angekündigt. Das eine war einfach „ein bisschen blöd“ und das andere „ziemlich gut“. Und ich finde auch, das ist genau ok so (wie furchtbar wäre es, wenn ich feststellen würde, dass es mir am besten geht, wenn ich nicht esse, wo ich doch eigentlich so gerne esse!).

Fastenbrechen

Die fünf Tage gingen rum wie nix und ehe wir es uns versahen war Mittwoch. Zum Frühstück stand ein wunderbarer Apfel auf dem Programm, der gründlichst gekaut quasi der Startschuss für unsere Verdauung war. Es war herrlich! Drei Tage lang bauten wir schrittweise und langsam wieder auf, aßen erstmal kleine Mengen, kauten ganz besonders gründlich und freuten uns sehr darüber, wieder zu kauen und etwas festes zu essen. Am Samstag, Sabines Geburtstag, haben wir wieder normal gegessen. Yeah!

Und, machen wir das noch mal?

Ganz bestimmt! Saftfasten hat uns unheimlich gut getan. Es war eine ruhige Zeit in der wir auch viel zur Ruhe kommen und nachdenken konnten. Es ist großartig zu spüren, dass der Körper sich gut einige Tage aus sich selbst nähren kann und es einem dazu auch noch richtig gut geht. Ich habe auch gemerkt, wie sehr ich es genieße, welche Rolle Lebensmittel in unserem Leben spielen – und dass es manchmal auch toll ist, ein paar Tage davon abstand zu nehmen. Saftfasten war ein tolles Experiment für uns und wir können es Euch sehr empfehlen. Ihr findet im Netz tolle Anleitungen und Berichte – lest Euch dort alles gründlich durch und findet dann den richtigen Weg für Euch.
Ach, übrigens: Bezüglich der Menge lag ich leider völlig daneben: Tatsächlich reichte jeder von uns ein halber Liter Saft pro „Mahlzeit“ vollkommen aus…

Hast Du Fragen zur unserer Fastenwoche? Dann ab damit in die Kommentare 🙂

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