Wenn wir uns unser ganz persönliches Schlaraffenland malen könnten, dann wäre Kopenhagen sicherlich ganz nah dran: Die Fahrrad-Stadt schlechthin, direkt am Meer, bevölkert mit freundlichen, entspannten Menschen und einigen wirklich guten Möglichkeiten vegan Essen zu gehen. Anfang Januar haben wir eine Woche in Kopenhagen verbracht und uns ein bisschen in diese traumhafte Stadt verliebt.

Ein Zuhause in der Ferne

Los ging’s nach Kopenhagen am ganz frühen morgen im Airliner-Bus zum Flughafen Frankfurt. Um uns herum fuhren einige Flughafen-Mitarbeiter zur Arbeit – man kannte sich wohl. Wir saßen etwas müde und wie immer freudig aufgeregt dazwischen und freuten uns auf die kommenden Tage. Der Flug ging fix – gerade mal ein Stündchen waren wir mit unserem höchstens halbvollen Lufthansa-Flugzeug in der Luft – und ehe wir’s uns versahen saßen wir mitsamt unserem Gepäck im Zug vom Flughafen in die Stadt. Und dann: „Oh mein Gott, hier gibt es W-Lan im Zug!“ Eine der vielen kleinen angenehmen netten Sachen, die es hier – oder dort – in Kopenhagen so gibt. Schwups in den Bus und gerade mal zwanzig Minuten weg vom Flughafen standen wir vor einem wunderbaren Backstein-Haus im hippen Stadtteil Vesterbro, wo wir die kommende Woche über wohnen sollten.
Die Wohnung haben wir über airbnb.de (wenn ihr diesen Link zur Registrierung bei airbnb benutzt, bekommen sowohl ihr als auch wir Reiseguthaben) gebucht – zum ersten Mal wollten wir probieren wie es ist, nicht in einer Ferienwohnung zu wohnen, sondern in einer „echten“ Wohnung, in der normalerweise jemand lebt. Unsere Gastgeberin Anne stellte sich schon im Vorfeld als überaus freundlich und zuvorkommend heraus: Wir durften sofort einchecken und waren so um 10 Uhr morgens schon angekommen. Annes Wohnung ist ein Traum und es ist ein unschätzbarer Vorteil unterwegs eine Küche zur Verfügung zu haben, in der jemand regelmäßig kocht.

Einkaufen in Kopenhagen

Wir haben ja eine Vorliebe für Supermärkte, auch im Urlaub. Wo sonst lernt man so viel über die Menschen in deren Land oder Stadt man gerade reinschnuppert. Auf dem Weg zum besagten ersten Einkauf kamen wir – obwohl es nur 600m waren – an zwei recht gut sortierten Kiosken vorbei und wunderten uns im positiven Sinne über die kleinen Lädchen. In den kommenden Tagen haben wir festgestellt, dass diese vielen, vielen kleinen Lädchen in ganz Kopenhagen unheimlich stark vertreten sind. Kleine Fahrradläden (in unglaublicher Menge!), Kioske, Cafés und Imbissbuden, Designerlädchen, Schnick-Schnack, Konditoren, Schokoladenläden. Wahnsinn. Toll! Nun, aber eigentlich waren wir ja auf dem Weg in den Supermarkt. Der hieß auch passenderweise „Super Brugsen“. Unsere Gastgeberin sagte uns, dass es nicht der billigste Supermarkt wäre und erklärte uns auch, wo der nächste Discounter ist, aber Discounter sind nicht so unsere Sache. Super Brugsen schon. Die Auswahl war prima, wir konnten uns völlig unproblematisch vegan versorgen. In der sehr guten Obst- und Gemüseauswahl ist uns, wie schon in Reykjavik, aufgefallen, dass hier Avocados in viel größeren Packungen verkauft werden als bei uns. Und schön war auch die Packung mit gemischtem Wurzelgemüse – eine kleine Wundertüte quasi 🙂 hat uns gut gefallen. Pflanzenmilch war reichlich vorhanden, Soja-Joghurt ebenso, gutes Müsli haben wir auch gefunden. Ebenfalls wie schon in Reykjavik war es uns nicht vergönnt, eine reine Pflanzenmargarine zu finden (was sicherlich auch mit unseren nicht vorhandenen Dänisch-Kenntnissen zusammenhängt) – das kennen wir schon vom Urlaub und finden es nicht schlimm. Als süße Grundlage nehmen wir dann gerne Nuss-Muß, als deftige Avocado. Das Preisniveau liegt etwas höher als wir es gewohnt sind – wer nach Kopenhagen reist, rechnet damit aber in der Regel und es ist nicht so, dass man davon augenblicklich pleite gehen würde. Also: Nicht von den „Kopenhagen-ist-soooooo-teuer“-Chören von dieser traumhaften Stadt abhalten lassen 😉

Super Brugsen blieb (schon wegen der Nähe) auch in den kommenden Tagen unser Haupt-Supermarkt, aber auch in den Irma-Märkten haben wir uns sehr wohl gefühlt. Die Auswahl an Obst- und Gemüse, veganen Lebensmitteln und Bio-Produkten war in beiden Märkten gut und – und uns ist das wichtig – die Märkte sind super schön. Wir mögen es, wenn wir uns beim Einkaufen wohlfühlen.
Also: Auf das Supermarkt-Thema müsst ihr euch in Kopenhagen nicht „vorbereiten“, das Netz ist dicht, die Auswahl gut.
Am ersten Abend haben wir noch einen ausgedehnten Spaziergang unternommen und waren im 42raw, einem reinen Rohkost-Bistro mit überwältigender Lasagne und wundervollem Triple-Chocolate-Cake, lecker essen.

Nur Fliegen ist schöner: Mit dem Fahrrad durch Kopenhagen

Einer der Gründe der zur Auswahl genau dieser Wohnung führte waren die beiden Fahrräder die wir mitbenutzen konnten. Wir waren ein bisschen enttäuscht, als wir feststellen mussten, dass sie beide platt waren. Bei unserem abendlichen Spaziergang in der Innenstadt haben wir aber einfach eine Luftpumpe gekauft, die Räder aufgepumpt und waren am nächsten Morgen sehr erfreut, dass die Reifen die Luft gehalten haben. Los ging’s zu unserem Abenteuer durch die Stadt, die als die fahrradfreundlichste Stadt weltweit gilt. Und was sollen wir sagen: Dieser Ruf ist nicht unbegründet. Eigene Fahrradwege! Durchgängig! Breit! Abgesetzt von Straße und Gehweg! Ein Traum! Überall Fahrradläden mit von außen zugänglichen Luftpumpen an denen man die Räder aufpumpen könnte. Anschließmöglichkeiten überall. Und überall andere Fahrradfahrer. Große, kleine, dicke, dünne, schicke und klapprige Räder, Lastenräder und Räder mit Anhänger. Ein anderes System zum Linksabbiegen. Und wisst ihr was das aller aller angenehmste war: Nette andere Verkehrsteilnehmer. Wer hier einen vermeintlichen Fehler macht, wird nicht blöd angepöbelt (wie es uns leider regelmäßig zu Hause passiert), sondern freundlich angelächelt. Es klingt vielleicht kitschig, aber wir hatten den Eindruck, dass man hier eher aufeinander aufpasst.

Auch ein Stück von einem der derzeit zwei supercykelstier haben wir ausprobiert. Das ist quasi das Fahrrad-Pendant zur Autobahn die von der Peripherie direkt ins Zentrum führt. Regelmäßig gibt es öffentliche Luft-Stationen, an den Ampeln gibt es „Fuß-Abstell-Hilfen“ und die Strecke hat grüne Welle bei 20km/h. Wahnsinn! Eine solche Verkehrspolitik würden wir uns hier auch wünschen.
Jeden möglichen Weg haben wir mit den Rädern zurückgelegt. Wir haben es geliebt!   Unsere Leih-Räder waren zwar ein bisschen schrottig, aber durchaus schnittig-schrottig und wir haben uns deutlich schneller von der Stelle bewegt als zu Hause. Eine Tatsache die bleibenden Eindruck hinterlassen hat…

Unterwegs in Kopenhagen

Und Kopenhagen ist nicht nur zum Fahrradfahren toll, es gibt auch noch viel zu schauen und zu erleben. An Tag 1 ging’s durch „unseren“ schönen Stadtteil Vesterbro mit seinen kleinen putzigen Einkaufssträßchen an den Seen vorbei mit den Rädern „hoch“ nach Nørrebro, einem wunderbar bunten Stadtteil. Unser erster Stop galt „Superkilen“, einem… ja einem was eigentlich? Am ehesten einer Mischung aus Treffpunkt, Erwachsenen-Spielplatz und Park. Auf knapp 700m Länge – und natürlich durchzogen von einem wunderbaren Fahrradweg – durchquert man erst den „roten Platz“, dann den „schwarzen Markt“ und schließlich den „grünen Park“. Hier gibt es öffentliche Grill-Möglichkeiten, einen Boxring, orientalische Fließen-Bänke, dutzende Schach-Tische, eine abgefahrene Rutsche mit vielen vielen Gängen, einen Osborne-Bullen, Tischtennisplatten, Schaukeln für Erwachsene und und und. Wir waren ziemlich entzückt von diesem schönen Ort, an dem im Sommer bestimmt einiges los ist. Weiter ging’s mit den Rädern durch Nørrebro, wo wir den Stadtteil ordentlich auf uns wirken ließen. Die vielen kleinen Läden, die lockere Atmosphäre und die Menschen aus den vielen verschiedenen Ländern haben uns sehr gut gefallen. In der Jægersborggade wollten wir schließlich einen kleinen Snack im Grød zu uns nehmen – in diesem winzig kleinen Schmuckstückchen war es allerdings derartig voll, dass schon Gäste auf dem Boden saßen. Also ging’s erstmal zum Mittagessen ins Astrid och Aporna, einem rein veganen Burgerlädchen. Lecker wars! Zum Nachtisch fanden wir dann doch noch Platz im Grød und genossen wunderbaren Getreide Brei mit Fenchel-Zucker, einer ausgesprochen delikaten Sache. Der Heimweg führte uns durch den Assistens Cemetery, einem ziemlich großem Friedhof, der bei gutem Wetter wohl auch als Park „benutzt“ wird und in dem H.C. Andersen seine letzte Ruhe gefunden hat. Auf der Königin-Louise-Brücke, die zur Rush-Hour ziiiiiemlich voll mit Rad-Pendlern ist, schien uns ein bezaubernder Mond entgegen – es war schon fast dunkel geworden – und so ging es schon wieder nach Hause. Wir lieben es, in einer Stadt nicht – schnell, schnell – alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern ganz gemächlich, langsam ein Gefühl für ihre Bewohner zu gewinnen und die Stimmung auf uns wirken zu lassen.
Tag 2 führte uns und unsere inzwischen liebgewonnen schrott-Flitzer schließlich durch die Kopenhagener Innenstadt über die Schloss-Insel am Christiansborg-Palast, Nyhavn und Amalienborg-Palast vorbei zum obligatorischen Besuch der kleinen Meerjungfrau. Es war Sonntag, der Wind pustete uns kräftig durch und wir waren am Meer. Es war herrlich. Um die kleine Meerjungfrau haben sich dutzende andere Touristen versammelt um sie zu fotografieren. Ganz eilig, so als würde sie jeden Moment von ihrem Stein abspringen und durch die Ostsee von dannen schwimmen. Diese anderen Touristen, die waren definitiv den Besuch wert 😉
Weiter gings mit den Rädern nach Christiania. Christiania ist eine geduldete autonome Gemeinde und mittlerweile Touristenattraktion. Und ehrlich gesagt war es der einzige Ort in Kopenhagen, an dem wir uns nicht wohlgefühlt haben. Auf der „Hauptstraße“ in Christiania ist das Fotografieren verboten, weil dort ganz offen mit Haschisch gedealt wird. So roch es dort auch, und auch im restlichen Christiania hatten wir den Eindruck, die meisten Herumlaufenden waren vollkommen drüber. Nur an einer Ecke am Wasser gab es ein paar besondere Hütten die fast schon kleine Paläste waren, wo die Stimmung wieder friedlich war. Dennoch: Wir waren froh, als wir wieder draußen waren, flitzten mit den Rädern zum Nørreport und genossen dort im Botaniq ein fabelhaftes Mittagessen, schauten uns die beiden schicken Markthallen an und fuhren mit der Metro zum Amager Strandpark, einem künstlichem aber super-schönem Sandstrand, wo wir mit einem atemberaubendem Mond-Aufgang belohnt wurden. Übrigens: Auch Metro fahren ist in Kopenhagen ein bisschen anders. Die Metro ist führerlos und so kann man ganz vorne sitzen und durch das Frontfenster die Reise durch die Kopenhagener Metro-Tunnel ganz anders erleben, als wir es in Deutschland von der U-Bahn gewohnt sind. Sehr zu empfehlen!
Auch einen Ausflug nach Schweden haben wir gemacht: Mit dem Zug geht’s über die Øresund-Brücke (unter der Straße) über die Ostsee und keine Stunde von der Kopenhagener Innenstadt entfernt ist man im kleinen Malmø. Und während wir die Zugfahrt über das Meer wirklich genossen haben, fanden wir Malmø zwar ganz hübsch, aber insgesamt eher enttäuschend (zudem haben wir in Malmø leider ganz schlecht gegessen… das hinterlässt bei uns immer einen schlechten Eindruck 😉 ).
An den restlichen Tagen genossen wir es, uns durch das fabelhafte Kopenhagen treiben zu lassen. Wir fuhren auf der Fahrradautobahn durch das leicht spießige Frederiksberg und an den Rand der Kopenhagener Peripherie, zurück über Kopenhagens höchsten Berg. Wir gingen täglich Essen und waren  begeistert von der Kopenhagener Rohkost-Szene, entdeckten einen Bäcker bei dem es vegane Kaffee-Stückchen gibt, gingen ausgiebig shoppen, bestaunten die vielen vielen Fahrradläden mit all den wunderschönen Rädern, fühlten uns wie in einem riesigen Schneckenhaus als wir den runden Turm bestiegen und eine tolle Aussicht über Kopenhagen genossen, besuchten eine Kopenhagener Boulder-Halle und verbrachten auch mal einen ganzen Regentag faul-kuschelig in der Wohnung.

Was bleibt

Egal wie lange wir unterwegs sind, egal wie schön es ist, am letzten Tag freuen wir uns auf zu Hause. Und so stiegen wir frohen Mutes nach einer Woche in dieser traumhaften Stadt, voll von Eindrücken über Rohkost, Fahrräder und freundliche Menschen, in unseren Flieger und ließen uns zurück nach Hause bringen.

Und wie alle Reisen, hat auch Kopenhagen uns ein Stückchen verändert: Sabine ist schon lange befallen, und Kopenhagen hat nun auch mich, Christiane, vollends mit dem Fahrrad-Virus infiziert. Vorher fand ich radeln schön. Nett. Praktisch. Gesund. Jetzt habe ich plötzlich das Gefühl, nicht mehr aufhören zu wollen. Wieder zu Hause habe ich zusätzlich zu meinem „lahme-Ente-Fahrrad“ ein schnelleres Rad gekauft mit einer sportlicheren Haltung. Ein bisschen mehr wie das Rad in Kopenhagen – nur schöner 😉

Unsere Tipps

Machen

  • Fahrradfahren! So oft es geht!
  • Die Fahrradautobahn (Supercyklestir) Albertslundruten durch Frederiksberg bis  mindestens zum See Dammhussøen fahren, den See umrunden und über den Roskildevej über Kopenhagens höchsten Berg zurück nach Vesterbro fahren.
  • Superkilen anschauen – am besten bei gutem Wetter – und auf der großartigen Schaukel schaukeln
  • Fotografierende Touristen bei der kleinen Meerjungfrau fotografieren.
  • Den runden Turm besteigen und sich fühlen wie in einem Schneckenhaus.
  • Die Innenstadt von Kopenhagen langsam und gemütlich durchkämmen.
  • Fahrradläden von außen und innen bestaunen.
  • Durch Vesterbro und Nørrebro streifen und zum Beispiel in der Jægersborggade die tollen kleinen Läden bestaunen.
  • Metrofahren und ganz vorne sitzen.
  • Den Amager Strandpark besuchen. Spaziergengehen oder bei gutem Wetter auch schwimmen.
  • Mit dem Zug über die Øresundbrücke rüber nach Schweden fahren (und vielleicht auch gleich wieder zurück, Malmø hinterließ uns unbeeindruckt).

Essen

  • 42 degrees raw
    rein veganes Rohkost-Bistro dass wir sehr sehr toll fanden. Die Lasagne ist eine Wucht, vom Triple-Chocolate-Cake träume ich immer noch und auch alles andere war super. Wir waren gleich zweimal dort.
    Pilestaede 32, http://www.42raw.dk
  • Botaniq
    rein veganes Restaurant mit super netten Leuten und sehr sehr leckerem Essen. Absolut empfehlenswert!
    Frederiksborggade 26, http://botaniq.com
  • Astrid och Aporna
    Winziger rein veganer Burger-Imbis. Lecker!
    Jaegersborggade 39, http://www.astridochaporna.se
  • simple raw
    Sehr hübsch im schönen Vesterbro gelegen hat es uns leider vom Essen her am wenigsten umgehauen. Der grüne Smoothie war aber fantastisch 🙂
    Oehlenschlægersgade 12, http://simpleraw.dk
  • Groød
    winziger und sehr kuscheliger Laden in dem es auch veganen Grød gibt. Hat uns sehr gut gefallen und geschmeckt.
    Jægersborggade 50, groed.com
  • Naturbageriet
    Bäcker mit vielen veganen Kuchenteilchen
    Frederiksborggade 29, http://www.naturbageriet.dk
  • Vegane Lebensmittel
    bekommt ihr in allen Supermärkten die wir so besucht haben. Am besten gefallen haben uns die Ketten Super Brugsen und Irma

Sonstiges

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